Michael Neuhaus (1958–2022)
Michael Neuhaus war Handballtrainer, Lehrwart, Funktionär und Pädagoge. Über vier Jahrzehnte prägte er den Handball im Handballkreis Bielefeld-Herford, in Westfalen und in Deutschland maßgeblich und galt als eine zentrale Figur in der Trainerausbildung sowie der strukturellen Entwicklung des Sports.
Leben und Karriere
Michael Neuhaus wurde 1958 in Bielefeld geboren. Seine handballerische Laufbahn begann bei den Sportfreunden Sennestadt, seinem ersten Verein, der seit 1996 mit dem TuS 08 Senne I das Handball-Team Sportfreunde Senne bildet. Im Bielefelder Süden startete Neuhaus als Spieler und Jugendtrainer, bevor er zum Gadderbaumer TV wechselte. Es folgten Stationen beim TuS Brockhagen und schließlich, 1986, die Berufung als erster Trainer der neu gegründeten TSG Altenhagen-Heepen, mit der er – nun mit A-Lizenz – nur knapp den Aufstieg in die Regionalliga verpasste.
Sein Lehrerberuf zog Neuhaus 1989 ins Ruhrgebiet, wo er den TuS Wellinghofen übernahm. Nach seiner Rückkehr nach Bielefeld übernahm er 1991 den Verbandsligisten TuS Jöllenbeck und blieb dort bis unmittelbar vor den Aufstiegsspielen zur Oberliga.
In der Spielzeit 1993/94 übernahm Neuhaus erneut die TSG Altenhagen-Heepen, diesmal als Zweitliga-Aufsteiger, sodass Neuhaus als erster Trainer in dieser Klasse in Bielefeld wirkte. Mitte der 1990er Jahre kehrte er zurück in die Senne, zunächst in die Kreisliga, und führte das Team 1996 mit ihm in die Bezirksliga.
Vereinsämter und Schiedsrichterlaufbahn
Neben seinen Tätigkeiten als Trainer war Neuhaus auch als Vereinsfunktionär aktiv. Von 1989 bis 1994 war er erster Vorsitzender des Gesamtvereins Gadderbaumer TV, von 1997 bis 1999 leitete er die TSG Altenhagen-Heepen als Vorsitzender. 2001 übernahm er in der Senne den Posten des 1. Vorsitzenden und blieb dies bis 2007.
Darüber hinaus war Neuhaus 29 Jahre lang, von 1974 bis 2003, als Schiedsrichter aktiv – die längste Zeit davon für den Gadderbaumer TV.
Lokales Engagement und Nachwuchsarbeit im Handballkreis Bielefeld-Herford
Mit der Übernahme des Postens als Kreislehrwart im Handballkreis Bielefeld-Herford im Jahr 2002 setzte Michael Neuhaus neue Maßstäbe in der Nachwuchsförderung. Unter seiner Leitung entwickelte sich der Kreis zu einem Vorzeigemodell für ganz Westfalen. Neuhaus konzipierte ein einzigartiges Nachwuchsfördermodell, das durch professionelle Strukturen und innovative Module wie Leistungsdiagnostik, Kooperationen mit Schulen, Feriencamps und Fortbildungsmaßnahmen für Trainer und Eltern geprägt war.
Neuhaus verstand sich als Impulsgeber und Motor, der mit viel Organisationsaufwand und Kreativität die Nachwuchsarbeit vorantrieb. Sein Ziel war es, Vorbilder zu schaffen und die Begeisterung für Handball an der Basis zu stärken.
Engagement im Handballverband
Neuhaus war über viele Jahre Mitglied des Lehrstabs des Handballverbandes Westfalen (HV Westfalen) und später dessen Lehrwart. Im Sommer 2013 wurde er zum Präsidenten des HV Westfalen gewählt. Drei Jahre später erhielt er bei seiner Wiederwahl die klare Mehrheit, trat aber nach 27 Gegenstimmen unmittelbar zurück. Er begründete seinen Rücktritt mit mangelndem Respekt einiger Delegierter gegenüber dem Amt und seiner Person.
Tätigkeit auf Bundesebene
Von 2014 bis 2019 war Neuhaus Bundeslehrwart des Deutschen Handballbundes (DHB). In dieser Zeit modernisierte er die Trainerlehre grundlegend, war federführend bei der EHF-Mastercoach-Ausbildung und initiierte die Torwarttrainer*innen-Ausbildung des DHB. International war er als Mitglied des EHF-Panels der Rinck-Convention tätig, das die Weiterentwicklung der europäischen Trainerausbildung verantwortet.
Beruf und Persönlichkeit
Beruflich war Michael Neuhaus Lehrer für Englisch und Sport. Ab 2004 war er stellvertretender Schulleiter am Helmholtz-Gymnasium und wurde im Januar 2009 Rektor des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in Bünde. 2011 erfolgte eine Zäsur in seinem Hauptberuf: Nach Vorwürfen zu „unkonventionellen Erziehungsmethoden“ – darunter die Aufforderung an einen Schüler, Liegestütze im Büro zu machen – wurde Neuhaus suspendiert. Der Handballkreis Bielefeld-Herford gab eine Ehrenerklärung ab und betonte Neuhaus’ jahrelangen tadellosen Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Dennoch unterrichtete Neuhaus nie wieder und arbeitete anschließend bei der Schulbehörde in Detmold.
Seine Weggefährten beschrieben ihn als besonnenen, humorvollen und lebensfrohen Menschen, der mit seiner Energie und Zuversicht andere inspirierte.
Auszeichnungen
Für seine Verdienste wurde Michael Neuhaus unter anderem mit der Goldenen Ehrennadel des Handballverbandes Westfalen ausgezeichnet.
Tod
Michael Neuhaus verstarb am 15. Juni 2022 im Alter von 64 Jahren nach schwerer Krankheit. Er hinterließ seine Ehefrau und seine Tochter sowie eine große Lücke in der deutschen Handballfamilie. Im zu Ehren wurde das 2004 von ihm erfundene Handballcamp ab dem Jahr 2022 in „Michael-Neuhaus-Handballcamp“ umbenannt.
„Wir wollen, dass die Sportart Handball an der Basis ankommt. Und dabei so kreativ sein wie möglich.“
– Michael Neuhaus
Quellen:
- Westfalen-Blatt, 21. September 2007: Artikel „Nachwuchs-Konzeptarbeit“
- Weitere biografische Angaben aus Nachrufen und Verbandsinformationen