05.10.2026
„Diesen Jugendausschuss in richtig gute Hände übergeben“
Patrick Puls gibt den Vorsitz nach 26 Jahren ab
Emma Grüger übernimmt den Vorsitz im Jugendausschuss, Marcel Hupel wird Jungenwart. Beide wurden einstimmig gewählt. Die Posten der Jugendsprecher blieben vorerst unbesetzt.
Nach 26 Jahren an der Spitze des Jugendausschusses im Handballkreis Bielefeld-Herford hat Patrick Puls das Amt abgegeben. Beim ordentlichen Kreisjugendtag am Donnerstagabend im Pfennigskrug wählten die Delegierten Mädchenwartin Emma Grüger einstimmig zur neuen JA-Vorsitzenden. Marcel Hupel wurde ebenfalls einstimmig zum Jungenwart gewählt. Kreisvorsitzender Thomas Boerscheper sprach zu Beginn die Grußworte und übernahm für die Neuwahlen die Versammlungsleitung.
Nicht gelungen ist es dagegen, die Positionen der Jugendsprecherinnen und Jugendsprecher zu besetzen. Wer Interesse hat, kann sich weiterhin beim Jugendvorstand melden und auch später noch in das Amt berufen werden.

Ein Blick zurück ins Jahr 2000
Eine Revue über die vergangenen 26 Jahre hielt Patrick Puls nicht: Sie sei in den Berichten der inzwischen sieben ordentlichen Kreisjugendtage ordnungsgemäß dokumentiert. Dennoch schaute er kurz zurück an den Anfang: Seine Amtszeit begann am 16. Mai 2000 in Herford. Damals legte der langjährige Kreisjugendwart Ernst-Christoph Hippe nach gut 13 Jahren sein Amt nieder. Auf Vorschlag aus der Versammlung wurde Patrick Puls einstimmig zu seinem Nachfolger gewählt. Sein folgender Bericht galt daher vor allem der Amtsperiode seit 2022.
Zahlen auf hohem Niveau
Die Bilanz fiel positiv aus. 169 Jugendmannschaften nehmen aktuell am Spielbetrieb teil, mehr als 2014 (162) und gar mehr als 2004 (165) und deutlich mehr als in der Nach-Corona-Saison 2022 (143). Puls führte das auf „die andauernd gute Nachwuchsarbeit im Kinderhandball“ zurück. Besonders erfreulich sei die Entwicklung bei der weiblichen D- und C-Jugend, die Spielerinnen und Mannschaften seien jetzt aus der guten Basis in die Altersklassen „hochgewachsen“. In der B- und A-Jugend, vor allem bei den Mädchen, gehen die Zahlen dagegen eher zurück oder stagnieren – ein generelles Thema, keins nur in Bielefeld-Herford.
Den Vereinen galt sein ausdrücklicher Dank. „Diese Vereinsarbeit in der Halle ist das Fundament, auf dem alles andere aufbaut“, sagte er. Er dankte allen, die „Woche für Woche in der Halle stehen“, Trainingspläne schreiben und Fahrdienste organisieren.
Mehr als Wurfarm und Tabellenplatz
Ernst wurde Puls beim Thema Wohlergehen junger Menschen. Studien zufolge habe sich die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen nach einer Erholungsphase 2022 und 2023 nicht weiter verbessert. Bewegungsmangel, Vereinsamung und soziale Unsicherheit seien „keine Erinnerung an die Pandemie“, sondern Alltag im Jahr 2026.
Für die Vereine als Träger der freien Jugendhilfe folge daraus eine klare Aufgabe: „Deshalb ist unser Auftrag heute nicht kleiner geworden, sondern größer.“ Trainerinnen und Trainer seien auch Ansprechpersonen und manchmal die einzige verlässliche Struktur in der Freizeit eines Kindes. Das sei keine Zusatzlast, sondern das, was Vereine schon immer ausgemacht habe: „Gemeinschaft, die trägt.“
Vorreiter im Kinderhandball
Mit leisem Stolz verwies Puls abermals auf die Vorreiterrolle des Handballkreises Bielefeld-Herford. Schon in seinen letzten Berichten hatte er den Pioniergeist des Handballkreises der letzten Jahrzehnte hervorgehoben: kreisinternes Gastspielrecht, Minispielfeste, Handballcamps, Reform der E-Jugend-Regeln, Koordinationswettkämpfe, Staffeltage mit Praxisteil, Torwart-Stützpunkttraining, EDI-Ausbildung und weitere. Wenn der DHB im Herbst 2026 neue Spielformate nach dem Motto „Entwicklung vor Ergebnis“ beschließen wolle, dann müsse man hier „seit über 20 Jahren ja einiges richtig machen“. Bereits 2005 entstand im Kreis die Idee der E-Jugend-Sonderstaffel 4+1, die heute unter dem Namen E-Jugend-Querfeld gespielt wird.
Auch im Leistungsbereich gab es Grund zur Freude: Die weibliche Jugend des VfL Herford wurde 2024/2025 und 2025/2026 Westfalenmeisterin, 2025 NRW-Vizemeisterin und 2026 NRW-Meisterin. Sie spielt in den Spielzeiten 2025/2026 und 2026/2027 in der B-Jugend-Bundesliga. Damit ist der VfL in diesen Altersklassen westfälische Spitze und hat anderen Profivereinen den Rang abgelaufen. Dass Wechsel zu einem Nachbarverein auch für Unruhe sorgen können, räumte Puls offen ein. Hier ist gute Kommunikation zwischen den Vereinen, Eltern und Spielerinnen erforderlich. „Wir haben die Kräfte nun vor Ort gebündelt,“ und als „Ausbilderkreis“ profitiere nun einer der eigenen Vereine von der Ausbildung und nicht mehr Mannschaften aus anderen Kreisen, so Puls.
Zukunftsfähig und leistungsgerecht
Die Jugend im Handballkreis sieht er für die Zukunft gut aufgestellt. Die Mannschaftszahlen bringen die Vereine in den gemeinsamen OWL-Spielbetrieb ein. „Zusammen sind wir stark“, sagte er. Das Angebot sei bewusst leistungsheterogen, damit am Ende die einzelnen Mannschaften leistungshomogen und damit leistungsgerecht spielen können. „Das ist wichtig!“
Mit einem Schmunzeln habe er in diesem Sommer die „große Nachricht“ aus dem DFB zur Kenntnis genommen: Im Kinderfußball sollen sich Mannschaften künftig selbst in verschiedene Leistungsklassen einsortieren können und nicht mehr vom Auf- und Abstieg der Vorsaison abhängen. „Welch neue Erkenntnis, Chapeau!“, kommentierte Puls. Natürlich brauche sportliche Entwicklung auch Herausforderungen und Niederlagen. Das Ziel der Kinder- und Jugendarbeit müsse aber sein, die Kinder abzuholen, „wo sie stehen“. Es dürfe nicht sein, dass Kinder jedes Jahr Frust erleben, weil sie nur gegen zu starke oder zu schwache Gegner spielen, oder dass im Fußball ganze Mannschaften den Verein wechseln, um ein leistungsgerechtes Umfeld zu finden.
Diesen Anspruch, der ausdrücklich auch von Teilen der Vereine an den Handballkreis herangetragen wurde, hat man in OWL mit der neu eingerichteten männlichen und weiblichen D-Jugend-Bezirksliga weiter ausgebaut.
Übergabe in „richtig gute Hände“
Für die Zukunft sieht Puls den Jugendausschuss gut gerüstet. Emma Grüger trat 2018 mit 16 Jahren als Jugendsprecherin die Nachfolge von Marcel Hupel an, beide gehören heute zu den erfahrenen Mitgliedern des Gremiums. Verstärkt wurde das Team im letzten Jahr bereits durch Tim Fleer sowie zuletzt durch Bianca Neumann und Sebastian Heidsiek, die sich als Staffelleitung beide derzeit einarbeiten. Als erfahrener Lehrwart steht Olaf Grintz weiterhin an der Seite der Jugend und auch Puls wird in seiner weiteren Funktion als Vorstandsmitglied natürlich mit seinem Rat zur Verfügung stehen, wenn er benötigt wird.
Persönlich dankte Puls Patrick Blase, der 2012 als Jugendsprecher begann und 2015 Jungenwart wurde. Er stand ihm lange eng und vertraut zur Seite, im Handballkreis und später auch im Handballverband. „Für diese Zeit kann ich heute einmal im offiziellen Rahmen Danke sagen.“
Einem weiteren sehr vertrauten Mitstreiter galt der offizielle Dank bereits beim Kreisjugendtag 2018, als dieser nach 16 gemeinsamen Jahren aus dem Jugendausschuss ausschied: Christian Noske. Die Neue Westfälische betitelte die beiden einst als „altes Ehepaar“. Umso mehr freute sich Puls, dass Noske beim diesjährigen Kreisjugendtag als Gast anwesend war. Im Interview mit der Zeitung hatte Noske 2018 über die Anfänge im Jahr 2002 gesagt: „Es gab damals praktisch nur Patrick und mich. Wir haben dann versucht, einen Jugendausschuss aufzubauen. Wir wollten vor allem die Staffelleitungen auf mehrere Schultern verteilen.“ An Noske und Grüger gewandt sagte Puls: „Christian, das haben wir geschafft. Und heute haben wir es geschafft, liebe Emma.“ Er sei sich sicher, „diesen Jugendausschuss heute in richtig gute Hände übergeben zu können“.
Ein Dank ging auch an den Kreisvorstand mit Ehrenvorsitzendem Gunther Wollmann, den Rechtswarten Herbert Wehrenbrecht und Manfred Peiler, Finanzwart Heiko Horn und Kreisvorsitzendem Thomas Boerscheper, die immer die Belange der Jugend zu 100% unterstützt hätten.
„Der Jugend vertrauen“
Emma Grüger nutzte ihren Bericht als bisherige Mädchenwartin und stellvertretende JA-Vorsitzende für einen persönlichen Appell. Mit 16 Jahren sei sie zur Jugendsprecherin gewählt worden und habe Vertrauen und Verantwortung erhalten. Dadurch habe sie in ihrem Amt und in ihrer Persönlichkeit wachsen können. Dasselbe wünsche sie sich für andere: Die Vereine sollten der Jugend vertrauen, ihr eine Stimme geben und die Zukunft gemeinsam mit jungen Menschen gestalten.
Nach knapp einer Stunde durfte Emma Grüger in ihrer neuen Funktion als Jugendausschussvorsitzende und damit Mitglied des geschäftsführenden Kreisvorstandes „ihren“ ersten Kreisjugendtag schließen.
Im Anschluss an die Sitzung blieb bei einem gemeinsamen Imbiss Zeit für Gespräche.