06.09.2018

Kreis-Schiedsrichtertag 2018

Dramatischer Schwund: Handballkreis kämpft mit Schiedsrichtermangel

Beim Schiedsrichtertag des Handballkreises Bielefeld-Herford wurde deutlich: Die Zahl der aktiven Unparteiischen sinkt weiter. Neben Wiederwahlen gab es intensive Diskussionen über Ursachen, Maßnahmen und die Verantwortung der Vereine.

Alle wiedergewählt (v.l.): Stv. SR-Wart Jochen Harre, SR-Wart Sven Windmann und SR-Lehrwart Sven Caspari | Foto: Ulrich Finkemeyer

Alle drei Jahre stellt sich die Führungsriege der Kreisschiedsrichterschaft im Handballkreis Bielefeld-Herford der Vertrauensfrage – so auch beim aktuellen Schiedsrichtertag im Herforder Pfennigskrug. Die größte Sorge der Anwesenden: Der dramatische Rückgang bei den ausgebildeten Schiedsrichtern.

Wahlleiter Herbert Wehrenbrecht, Rechtswart des Handballkreises, hatte keine Mühe, einen Kandidaten für das Amt des Schiedsrichterwarts zu finden. Sven Windmann, der 2015 die Nachfolge von Jürgen Wendland antrat, wurde einstimmig wiedergewählt. Auch Lehrwart Sven Caspari und Stellvertreter Jochen Harre wurden in ihren Ämtern bestätigt.

Zahlen, die alarmieren

In seinem Rechenschaftsbericht legte Windmann die Entwicklung offen:

  • 2016/17: 161 Schiedsrichter
  • 2017/18: 146
  • 2018/19: 137

Lehrwart Sven Caspari ergänzte:

Ehrungen durch Kreisvorstandsmitglied Patrick Puls (2.v.r.) für
(v.l.)Sven Caspari, Eddy Heiderstädt und Sven Windmann

„Die Anzahl der Aufhörer pro Jahr übersteigt die Zahl der Neuanfänger. Und die ist selbst schon rückläufig.“

Die Zahl der Neueinsteiger sank von 22 (2016/17) auf 17 und zuletzt auf nur noch 13.

Diskussion um neue HVW-Verordnung

Für Zündstoff sorgte die neue Verordnung des Handballverbandes Westfalen (HVW): Vereine, die ihr Schiedsrichtersoll nicht erfüllen, müssen künftig nicht nur mit Geldstrafen, sondern auch mit Punktabzügen für ihre höchstplatzierte Mannschaft rechnen.

Mehrfacheinsätze und Belastung

Kritik aus dem Auditorium richtete sich gegen Vielfachansetzungen: Einige Gespanne pfeifen mehrere Spiele an einem Tag – bis in die Abendstunden. Windmann verteidigte die Praxis:

„Wir sind darauf angewiesen, dass die Schiedsrichter diese vielen Spiele pfeifen. Daher gilt ihnen mein Dank.“

Er verwies auf die positiven Veränderungen in der Ausbildung, die Sven Caspari angestoßen hat, um den Einstieg für Neulinge zu erleichtern.

Spesenanpassung als Motivation

Ein Vorschlag zur Erhöhung der Spesensätze für junge Schiedsrichter wurde angenommen. Ein entsprechender Antrag wird demnächst dem Kreistag vorgelegt.

Appell an die Vereine

Der Ball liegt nun bei den Vereinen: Sie müssen die schwierige Aufgabe der Nachwuchsgewinnung aktiv angehen. Denn ohne neue Schiedsrichter droht dem Spielbetrieb langfristig die Belastungsgrenze.