25.08.2018

Christian Noske: Abschied nach 16 Jahren im Handball-Jugendausschuss

Nach 16 Jahren engagierter Arbeit im Jugendausschuss des Handballkreises Bielefeld-Herford verabschiedet sich Christian Noske im Herbst aus seinem Ehrenamt. Der 60-Jährige hat die Jugendhandballarbeit maßgeblich geprägt – und den Weg ins digitale Zeitalter geebnet.

Die NW-Sommerserie geht mit der heutigen Folge zu Ende. Irgendwie passend, dass zum Schluss ein Mann vorkommt, der mit seinem Abschied liebäugelt. Christian Noske hatte bereits vor drei Jahren angekündigt, nur noch eine Amtszeit als stellvertretender Vorsitzender des Jugendausschusses zur Verfügung zu stehen. Im Herbst geht seine letzte Amtsperiode im Handballkreis Bielefeld/Herford zu Ende.

Der 60-Jährige hat eine klare Philosophie: „Es sieht immer blöd aus, wenn Kinder und Jugendliche von alten Männern Medaillen um den Hals gehängt bekommen.“ Soll heißen: Funktionäre, die im Jugendbereich tätig sind, sollten vom Alter nicht allzuweit von ihren Schützlingen entfernt sein. Noske sagt das nicht nur, er macht es vor. Er kann und wird loslassen.

»Ich wollte nach meiner aktiven Zeit eine Auszeit nehmen«

Gut 16 Jahre ist es her, dass Christian Noske Verwaltungsaufgaben auf Kreisebene übernahm. Davor stand der übliche Weg: „Ich hatte nach meiner aktiven Zeit ein bisschen als Schiedsrichter und Trainer gearbeitet, wollte aber eigentlich eine Auszeit nehmen“, beschreibt er. Im Altkreis hatte Noske Feld- und Hallenhandball gespielt: „Da wo heute das Gerry-Weber-Stadion steht, war unser Platz und die Halle.“

Das mit dem Abstand nehmen vom Handball klappte nicht, denn Noskes Tochter kam in die E-Jugend. Dort brauchte man einen Trainer und der Papa ließ sich erweichen.

„Ich hatte von Anfang an die Einstellung, dass man bei Kindern den Erfolg nicht an Tabellenplätzen festmachen kann.“

Diese Einstellung gefiel und deckte sich mit der Marschroute des Kreises. Schnell hatte man den Coach zum Kreisauswahltrainer gemacht.

Noske lernte Patrick Puls kennen. Zwischen den beiden stimmte die Chemie gleich von Beginn an. Bis heute spricht Noske mit höchstem Respekt vom Bielefelder Jugendwart: „Es gab damals praktisch nur Patrick und mich. Wir haben dann versucht, einen Jugendausschuss aufzubauen. Wir wollten vor allem die Staffelleitungen auf mehrere Schultern verteilen.“

„Im Jugendausschuss hat keiner die Vereinsbrille auf. Wir haben immer über Vereinsgrenzen hinweg geschaut.“

Wir haben immer über Vereinsgrenzen hinweg geschaut.“ Dass er an grundlegenden Veränderungen beteiligt sein würde, konnte der Mädchenwart Anfang der 2000er Jahre noch nicht ahnen. Doch das Internet kam schnell und mit Macht. „Das Portal sis-handball hat die Planung und Verwaltung des Spielbetriebs einfacher gemacht“, erinnert sich Noske. Aber: „Es war auch eine arbeitsintensive Zeit.“ Zwar bot das weltweite Netzwerk neue Möglichkeiten, doch mit Inhalten mussten die Seiten von den Funktionären und aus den Vereinen gefüttert werden. Bielefeld hatte eine Vorreiterrolle. Wie sehr sein Kreis dabei auf Zack war, verdeutlicht Noske mit einem einfachen Beispiel: „Die Adresse handballkreis.de gibt es logischerweise nur einmal in ganz Deutschland. Und sie gehört zu unserem Kreis.“

Die elektronische Verwaltung des Spielbetriebs ist längst Standard. Doch weitere Aufgaben warten. Sie werden nicht mehr Noskes Baustellen sein: „Die abnehmende Zahl Jugendlicher wird Veränderungen nach sich ziehen. Man muss über Kooperationen oder veränderte Spielordnungen nachdenken“, orakelt der Funktionär. Erste Ansätze hat er noch mitgestaltet, aber die konkrete Umsetzung überlässt er anderen: „Wir werden den Jugendausschuss zukunftsfähig machen“, verspricht Christian Noske, dass er ein bestelltes Feld an junge Nachfolger übergeben wird. Er wird noch mit Rat und vielleicht auch etwas Tat zur Verfügung stehen, aber offiziell geht er im Herbst in den verdienten Funktionärs-Ruhestand.

Zur Person: Christian Noske

  • Alter: 60 Jahre
  • Verein: HSG Schröttinghausen/Babenhausen
  • Beruf: Leiter des BAföG-Amtes der Uni Bielefeld
  • Familienstand: Verheiratet, zwei Kinder, ein Enkel
  • Ehrenamt: Stellvertretender Vorsitzender des Jugendausschusses, früher Kreisauswahltrainer
  • Auszeichnung: Bronzene Ehrennadel des HVW
  • Motto: „Lerne aus der Vergangenheit, die Gegenwart zu begreifen, und aus beidem den Weg in die Zukunft zu finden.“

NW Bielefeld 25.08.2018, Text und Bild: Gregor Winkler