02.11.2017

Talente wandern früh ab: Handballkreis Bielefeld-Herford kämpft um den Nachwuchs

Der Handballkreis Bielefeld-Herford steht vor einer großen Herausforderung: Immer mehr Nachwuchstalente wechseln bereits in der C-Jugend zu professionellen Leistungszentren. Diese Entwicklung stellt die traditionellen Vereinsstrukturen und die Kreisauswahl vor neue Aufgaben.

Früher Wechsel in Leistungszentren

Was früher erst in der A-Jugend begann, ist heute bereits in der C-Jugend Realität: Junge, talentierte Spielerinnen und Spieler wechseln frühzeitig zu Nachwuchsleistungszentren (NLZ), um ihren Traum von der Bundesliga zu verwirklichen. Der Vorsitzende des Jugendausschusses, Patrick Puls, nennt mehrere Gründe für diese Entwicklung:

  • Frühzeitige Kontaktaufnahme über Social Media
  • Attraktive Förderstrukturen in den NLZ
  • Verpflichtung der Bundesliga-Vereine zur Nachwuchsförderung durch den DHB

Während früher nur GWD Minden als regionales Leistungszentrum galt, konkurrieren heute auch Vereine wie Lemgo, Nettelstedt und Ahlen um die besten Talente aus Bielefeld und Umgebung.


⚠️ Auswirkungen auf Vereine und Kreisauswahl

Die Konsequenzen sind deutlich spürbar: „Die Top-Talente sind weg“, so Puls. Die sportliche Kluft zwischen kleinen Vereinen und NLZ wächst. Ein Beispiel: Die C-Jugend des TuS Brake unterlag der JSG NSM-Nettelstedt mit 15:55 – ein Ergebnis, das die strukturellen Unterschiede deutlich macht.

Auch die Kreisauswahl leidet unter der Abwanderung. Um dem entgegenzuwirken, plant der Handballkreis Bielefeld-Herford einen Antrag beim Handballverband Westfalen, der es Spielern ermöglichen soll, auch nach einem Vereinswechsel weiterhin für die Kreisauswahl spielberechtigt zu bleiben. Bisher war dies nur mit Ausnahmegenehmigung möglich. Puls zeigt sich jedoch skeptisch: „Eine Mehrheit wird der Antrag nicht finden.“


Ganzheitliche Ausbildung als Gegenmodell

Trotz der Herausforderungen setzt der Handballkreis auf eine ganzheitliche Ausbildung. Projekte wie:

  • der Vielseitigkeitswettkampf
  • die EDIs-Schiedsrichterausbildung
  • das Handballcamp in den Herbstferien

zeigen, dass der Kreis nicht nur auf Leistung, sondern auch auf Persönlichkeitsentwicklung und Spaß am Sport setzt. Das Handballcamp 2017 war mit 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein voller Erfolg.


📉 Sinkende Mannschaftszahlen

Ein weiteres Problem: Die Zahl der gemeldeten Mannschaften sinkt kontinuierlich. Selbst im als Vorzeigekreis geltenden Kreis Minden-Lübbecke stellen nur noch sieben Vereine eine männliche A-Jugend. Kreislehrwart Olaf Grintz sieht darin eine bedenkliche Entwicklung.


💡 Neue Ideen und Modelle

Eine diskutierte Idee war, die Kreisauswahl als Vereinsmannschaft gegen NLZ-Teams antreten zu lassen. Auch der TBV Lemgo lud kürzlich via Facebook zu einem offenen Training ein, um Talente zu sichten. Doch solche Modelle scheitern oft an unterschiedlichen Vereinsinteressen. „Eine vereinsbezogene Identität wächst in diesem Modell nicht“, so Puls.

Ein Hoffnungsschimmer: Sollte die TSG Altenhagen-Heepen in die 2. Bundesliga aufsteigen, müsste sie laut DHB ein eigenes Nachwuchsleistungszentrum aufbauen – ein Schritt, der dem Handballstandort Bielefeld neue Perspektiven eröffnen könnte.