15.09.2015

„Wir müssen alle bei der Stange halten“ – Sven Windmann über Herausforderungen im Schiedsrichterwesen

Mit dem Wechsel an der Spitze des Schiedsrichterwesens im Handballkreis Bielefeld/Herford beginnt eine neue Ära. Sven Windmann übernimmt das Amt von Jürgen Wendland und spricht im Interview über Nachwuchssorgen, das EDiS-Projekt und die Zukunft des Ehrenamts.

Mitte September endete im Handballkreis Bielefeld-Herford eine Ära: Nach rund 40 Jahren übergab Jürgen Wendland das Amt des Schiedsrichterwartes an Sven Windmann. Der 35-jährige Steuerberater, frischgebackener Vater und aktiver Schiedsrichter beim HT SF Senne, bringt viel Erfahrung mit – und große Aufgaben liegen vor ihm.

„Als Jürgen Wendland anfing, wurden die Ansetzungen noch per Postkarte verschickt. Das hat sich zum Glück geändert“, sagt Windmann schmunzelnd.

Seit 2001 ist Windmann selbst als Schiedsrichter aktiv, seit 2009 als Lehrwart und seit 2015 als Schiedsrichterwart im Kreis tätig. Im Interview mit NW-Mitarbeiter Gregor Winkler spricht er offen über die Herausforderungen seines Ehrenamts.

Schiedsrichtermangel bleibt akutes Thema

Trotz stabiler Besetzung der Spiele bleibt die Lage angespannt.

Immer auf Ballhöhe: Sven Windmann ist seit dieser Saison neuer Schiedsrichterwart des Handballkreises Bielefeld-Herford. |
© Gregor Winkler

„Teilweise müssen Gespanne zweimal am Wochenende pfeifen. Und die, die schon lange dabei sind, werden ja auch nicht jünger“, erklärt Windmann.

Aktuell stehen dem Kreis 240 Schiedsrichter zur Verfügung – nicht alle sind jedes Wochenende einsatzbereit. Dank der engagierten Ansetzer Hans-Jürgen Rinnensland, Jürgen Wendland und Klaus Scheideler läuft der Spielbetrieb dennoch reibungslos.

EDiS-Projekt als Hoffnungsträger

Ein zentrales Projekt zur Nachwuchsgewinnung ist das EDiS-Programm. Dabei werden ältere Jugendliche als Schiedsrichter in der E- und D-Jugend eingesetzt.

„Ziel ist es, Jugendliche für das Programm zu gewinnen, die Etablierten bei der Stange zu halten und sie später in einen Schiedsrichter-Lehrgang zu überführen“, so Windmann.

Mit 246 EDiS ist die Resonanz erfreulich hoch. Als nächsten Schritt plant der Kreis ein Coaching-System, bei dem erfahrene Schiedsrichter die jungen Kollegen begleiten sollen – eine Herausforderung angesichts der hohen Belastung der Routiniers.

Nachwuchsgewinnung bleibt schwierig

Der letzte Neuanwärterlehrgang zählte nur 16 Teilnehmer. „Das ist nicht viel. Es dauert Jahre, bis sie in höheren Ligen ankommen“, sagt Windmann.

Die Vereine sind gefordert, geeignete Kandidaten zu finden – keine leichte Aufgabe, da viele Engagierte bereits als Spieler oder Trainer aktiv sind.

Bezirksliga-Reform wirft Fragen auf

Im kommenden Jahr steht eine Reform der Bezirksliga an. Ob und wie sich diese auf das Schiedsrichterwesen auswirkt, ist noch offen. „Wir werden uns mit den Kollegen aus Gütersloh zusammensetzen müssen und schauen, wer aus dem aufgelösten Bezirk weiterhin zur Mitarbeit bereit ist“, erklärt Windmann.

Klar ist: Die Zukunft des Schiedsrichterwesens hängt von gemeinsamer Anstrengung und nachhaltiger Förderung ab.