10.10.2013
Es fehlen weiter Schiedsrichter: EDi-Projekt soll helfen
Trotz engagierter Maßnahmen bleibt der Schiedsrichtermangel im Handballkreis Bielefeld-Herford ein drängendes Problem. Mit dem EDi-Projekt setzt der Kreis auf frühzeitige Ausbildung und nachhaltige Motivation junger Referees.
Ziemlich genau vor einem Jahr sorgte der akute Schiedsrichtermangel im Handball für große Besorgnis. Spielausfälle drohten, doch dank des Einsatzes der Unparteiischen konnte die Saison gerettet werden. Auch wenn es zuletzt ruhiger um das Thema wurde, bleibt die Lage angespannt.
„Wir haben nach wie vor eine Unterdeckung, die nur durch Doppelansetzungen aufgefangen werden kann“, erklärt Friedhelm Krietemeyer, Bezirksvorsitzender. Allein in Bielefeld-Herford fehlen elf Gespanne. Krietemeyer rechnet damit, dass die Problematik den Bezirk noch drei bis vier Jahre begleiten wird. Zwar sind Spiele bis Dezember besetzt, danach drohen erneut Ausfälle.
Der Bezirk reagiert mit verschiedenen Maßnahmen:
- Mehr Lehrgangsangebote (mit mäßiger Resonanz)
- Aktionen für faires Verhalten gegenüber Schiedsrichtern
- Pilotprojekt zur anonymen, konstruktiven Schiri-Kritik durch Vereine
Frank Schrader, Schiedsrichter-Lehrwart des Bezirks, betont: „Insgesamt brauchen wir mehr Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Es muss ein verstärktes Miteinander geben.“
Ein Projekt, das genau dort ansetzt, ist das „EDi-Projekt“ im Handballkreis Bielefeld-Herford. Ursprünglich als spontane Fortbildung während eines Handball-Camps entstanden, hat Initiator Olaf Grintz daraus ein nachhaltiges Konzept entwickelt – unterstützt von der Sparkassenstiftung.

Grintz reist mit Vertretern des Schiedsrichter-Lehrstabs zu interessierten Vereinen und bildet Jugendliche an einem Tag zu „EDis“ aus – Nachwuchs-Schiedsrichter, die im E- oder D-Jugendbereich eingesetzt werden können.
Nach einer theoretischen Einführung folgt direkt die Praxis: Die Jugendlichen testen ihre Ausrüstung bei Kinderspielen und erhalten anschließend Feedback. Die geleisteten Stunden können auf spätere Lehrgänge angerechnet werden.
„Bisher haben wir 95 Jugendliche geschult“, berichtet Grintz, zuletzt bei der JSG Bielefeld-Süd.
Wichtig sei, dass die „EDis“ nicht sofort vollwertige Schiedsrichter werden müssen.
„Sie sollen erste Erfahrungen sammeln – in der Hoffnung, dass sie wissen, was später auf sie zukommt und nicht nach drei Spielen die Pfeife wieder in die Ecke schmeißen.“
Frank Schrader ergänzt: „Gerade unerfahrene Jung-Schiedsrichter haben oft keine Lobby. Sie werden ins kalte Wasser geworfen und sollen pfeifen wie die Weltmeister.“
Das EDi-Projekt findet bereits überregional Beachtung – sogar Anfragen vom Bodensee sind eingegangen. In den Nachbarkreisen ist die Resonanz bisher gering, obwohl die positiven Erfahrungen übertragbar wären.
NW Bielefeld, 10.10.2013, Text und Fotos: Ivo Kraft